Euregio Ring der land- und hauswirtschaftlichen Schulen
Der „Ring der landwirtschaftlichen Lehranstalten Tirols“ – eine grenzüberschreitende Bildungsgeschichte seit 1984
Der heutige Euregio-Ring der land- und hauswirtschaftlichen Schulen in Tirol, Südtirol und dem Trentino zählt zu den ältesten und beständigsten Bildungskooperationen im alpinen Raum. Aktuell sind elf Schulen Teil dieses Netzwerks, das sich über drei Landesteile der Europaregion erstreckt und seit Jahrzehnten den fachlichen, kulturellen und persönlichen Austausch in der landwirtschaftlichen Ausbildung fördert.
Entstehung im Gedenkjahr 1984
Die Ursprünge des Rings gehen auf das Gedenkjahr 1984 zurück. In diesem Jahr wurde zwischen den landwirtschaftlichen Schulen Tirols und Südtirols der „Ring der landwirtschaftlichen Schulen Tirols“ gegründet. Die feierliche Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde fand am 30. November 1984 an der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt Imst statt.
Das Trentino war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Teil des Zusammenschlusses – ein Umstand, dessen genaue Gründe heute nicht mehr eindeutig nachvollziehbar sind. Dennoch war die Idee bereits damals von einem starken europäischen Gedanken geprägt.
Das Gedenkjahr war auch politisch und gesellschaftlich bedeutend: Auf die Frage eines ORF-Reporters nach den bleibenden Ergebnissen des Jahres 1984 antwortete der damalige Landeshauptmann Eduard Wallnöfer mit dem Hinweis auf „Partnerschaften zwischen Gemeinden, Bildungseinrichtungen und zwischen den Menschen“. Der Ring der Schulen ist ein konkretes Ergebnis dieser Vision.
Historische Wurzeln der Zusammenarbeit
Die enge Verbindung der landwirtschaftlichen Schulen im ehemaligen Tirol hat eine lange Vorgeschichte. Besonders die Schulen in San Michele all’Adige und Rotholz zählen zu den ältesten landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten der Region.
Aufgrund der geografischen Lage war es früher üblich, dass Schüler:innen aus Südtirol landwirtschaftliche Schulen in Nordtirol besuchten – etwa in Imst oder Rotholz. Die heutige Fachschule Fürstenburg im Vinschgau wurde beispielsweise erst 1952 gegründet.
Auch die Ausbildung der Lehrkräfte war stark miteinander vernetzt. Einrichtungen wie die HBLA Kematen (ab 1958) oder die HBLA Raumberg-Seefeld (1950–1956, später Raumberg) waren wichtige Ausbildungsorte, an denen sich pädagogische Netzwerke über Landesgrenzen hinweg entwickelten. Viele Absolvent:innen setzten ihre Ausbildung an der Universität für Bodenkultur Wien oder später an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik fort.
Diese gemeinsamen Bildungswege führten zu langfristigen persönlichen und institutionellen Verbindungen zwischen den Schulen in Tirol, Südtirol und später auch im Trentino.
Erweiterung und Weiterentwicklung
Im Jahr 1996 wurde der Ring um das Trentino erweitert, insbesondere durch die Einbindung des Instituts in San Michele all’Adige. Damit wurde der grenzüberschreitende Charakter des Netzwerks weiter gestärkt.
Heute umfasst der Euregio-Ring elf land- und hauswirtschaftliche Schulen aus allen drei Landesteilen der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino.
Kooperationen und gemeinsame Aktivitäten
Über die Jahrzehnte hat sich eine Vielzahl an gemeinsamen Aktivitäten etabliert, die den Austausch zwischen den Schulen lebendig halten:
Direktorenkonferenzen
Kulturtage
Projektwochen
Wintersporttage
Lehrer:innenfortbildungen
Seit 2015 werden zusätzlich strukturierte Schüler:innenaustauschwochen angeboten, in denen unterschiedliche fachliche Schwerpunkte gesetzt werden. Ziel ist es, den praktischen und fachlichen Austausch weiter zu vertiefen und neue Lernorte innerhalb der Euregio zu erschließen.
Eine ursprüngliche Vision, nämlich ein umfassender, dislozierter Unterricht und ein groß angelegter Schüler:innenaustausch über alle Standorte hinweg, konnte in den frühen Jahren aus organisatorischen und rechtlichen Gründen – unter anderem aufgrund von Grenz- und Versicherungsfragen – nicht umgesetzt werden. Dennoch entwickelte sich der Ring im Laufe der Zeit zu einem stabilen und erfolgreichen Kooperationsmodell.
Euregio-Integration und aktuelle Entwicklungen
Im Zuge der Tiroler Euregio-Präsidentschaft 2025–2027 wurde der Ring der landwirtschaftlichen Schulen offiziell in das Programm aufgenommen und mit einem neuen Design weiterentwickelt.
Ein weiterer Meilenstein folgte mit dem Schuljahr 2026/27: Im Rahmen der Direktorenkonferenz am 11. März 2026 in Landeck wurden neue Euregio-Schulpartnerschaften feierlich begründet, darunter Kooperationen zwischen:
Rotholz und San Michele all’Adige
Lienz und Dietenheim
Imst und Kortsch sowie Fürstenburg (Burgeis)
Landeck-Perjen und Tisens
St. Johann und Laimburg
Am 15. April 2026 wurde in Rotholz zudem ein neues Projektlogo präsentiert und eine aktualisierte Partnerschaftsurkunde unterzeichnet.
Ein gelebtes Netzwerk über Grenzen hinweg
Was 1984 als Idee der engeren Zusammenarbeit begann, hat sich über vier Jahrzehnte zu einem stabilen Bildungsnetzwerk entwickelt, das weit über den ursprünglichen Rahmen hinausgewachsen ist. Der Euregio-Ring der landwirtschaftlichen Schulen steht heute für gelebte europäische Zusammenarbeit, praxisnahe Ausbildung und nachhaltige persönliche Verbindungen zwischen den drei Landesteilen Tirol, Südtirol und Trentino.








